
Mit zunehmendem Alter verändert sich nicht nur der Körper. Auch der Umgang mit Belastungen, körperlichen Einschränkungen, Emotionen und den eigenen Kräften gewinnt an Bedeutung.
Doch was kann helfen, Stress im fortgeschrittenen Alter bewusst zu reduzieren?
Eine interdisziplinäre Betrachtung eröffnet unterschiedliche Perspektiven auf diese Frage. Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Body-Mind-Medizin, Homöopathie, energetische Heilmethoden, ressourcenorientierte Konzepte und Ayurveda setzen jeweils andere Schwerpunkte.
Angela Schwörer hat diese unterschiedlichen Sichtweisen in ihrem Vortrag „Gesundheit, Beweglichkeit und Wohlfühlen – Stressreduktion in fortschreitendem Alter“ am 19. August 2026 in der Martin-Luther-Kirche zusammengeführt.
Der folgende Beitrag fasst die wesentlichen Gedanken des Vortrags zusammen.
Hinweis: Die vorgestellten Ansätze stammen aus unterschiedlichen medizinischen und komplementärmedizinischen Traditionen und sind wissenschaftlich nicht alle gleichermaßen belegt. Sie ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
1. Krankheiten vermeiden durch gesundheitsbewusstes Verhalten
Perspektiven aus TCM und Body-Mind-Medizin
Der erste Ansatz beginnt bei den menschlichen Grundbedürfnissen.
Aus Sicht der im Vortrag dargestellten Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) spielt, neben anderen Aspekten, das richtige Maß eine wichtige Rolle. Extreme sollen möglichst vermieden werden. Die Body-Mind-Medizin und die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) stellen den Zusammenhang zwischen den körperlichen und psychischen Faktoren her.
Gesundheitsbewusstes Verhalten bedeutet aus dieser Perspektive vor allem, auf alltägliche Bedürfnisse zu achten und den Körper nicht dauerhaft einseitig zu belasten.
Ernährung und Trinken
Bei der Ernährung empfiehlt Angela Schwörer, Einfachzucker und stark verarbeitete Fertigprodukte mit hohem Salzgehalt zu reduzieren.
Auch ausreichendes Trinken gehört zu den Grundlagen. Im Vortrag werden mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit genannt. Alkohol sollte nur in einem angemessenen Maß konsumiert werden.
Bewegung ohne Leistungsdruck
Bewegung soll intensiviert werden – allerdings ausdrücklich nicht im Sinne von Leistungssport.
Stattdessen geht es um einen ausgewogenen Rhythmus aus Bewegung und Ruhe sowie einen Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Liegen.
Schlaf, Hören und Sehen
Auch ausreichender Schlaf spielt im Vortrag eine wichtige Rolle.
Darüber hinaus sollten Hör- und Sehvermögen regelmäßig überprüft und notwendige Hilfsmittel möglichst frühzeitig angepasst werden. Dies wird im Vortrag auch im Zusammenhang mit Demenzprävention thematisiert.
Emotionen wahrnehmen und regulieren
Gesundheitsbewusstes Verhalten betrifft nicht ausschließlich den Körper.
Auch starke Emotionen wie Angst, Zorn, Wut, Neid oder Hass können Stress erzeugen. Der Vortrag empfiehlt deshalb, die eigene Emotionsregulation bewusst zu trainieren.
Schmerzen wiederum sollen nicht ausschließlich als etwas betrachtet werden, das beseitigt werden muss, sondern zunächst auch als Signal des Körpers: Woher könnte der Schmerz kommen? Welche Schwachstelle zeigt sich möglicherweise?
Der zentrale Gedanke dieses ersten Ansatzes lautet damit:
Maß halten, Achtsamkeit zulassen und die Signale von Körper und Psyche bewusst wahrnehmen.
2. Stress bewusst reduzieren und die eigene Lebenskraft einteilen
Perspektive der Homöopathie
Der zweite Abschnitt des Vortrags betrachtet Stress aus der Perspektive der Homöopathie und greift dabei den Gedanken der sogenannten Lebenskraft auf.
Im Mittelpunkt steht die Frage:
Wie kann ich mit meinen vorhandenen Kräften so umgehen, dass ich mich nicht dauerhaft überfordere?
Angela Schwörer empfiehlt einen Lebensstil, in dem Aktivität und Ruhe miteinander im Gleichgewicht stehen. Ruhepausen sollen ebenso selbstverständlich zum Alltag gehören wie Aktivitäten. Gleichzeitig spielen gute soziale Kontakte und die Wahrnehmung der eigenen körperlichen und emotionalen Bedürfnisse eine wichtige Rolle.
Mehr im Jetzt leben
Ein weiterer Gedanke ist das bewusste Leben in der Gegenwart.
Ständiges Hadern mit der Vergangenheit, Grübeln oder dauerhaft negatives Denken können zusätzliche Belastung erzeugen. Stattdessen geht es darum, Wünsche und Träume nicht immer aufzuschieben und Dinge zu verwirklichen, solange sie möglich sind.
Auch Versöhnung und Verzeihen werden im Vortrag in diesem Zusammenhang angesprochen, unter anderem mit Bezug auf Ho’oponopono.
Der Umgang mit sich selbst
Ein besonders wichtiger Gedanke lautet:
Sich selbst wie einen guten Freund oder eine gute Freundin behandeln.
Dazu gehört, den eigenen Selbstwert zu pflegen und innere Stressoren zu hinterfragen.
Welche Glaubenssätze treiben mich an?
Wie stark ist mein innerer Kritiker?
Welche Erwartungen stelle ich an mich selbst?
Anstatt sich vor allem auf vermeintliche Schwächen zu konzentrieren, können vorhandene Stärken und Talente bewusster wahrgenommen und weiterentwickelt werden.
Neue Freizeitaktivitäten, ein Sportverein oder ehrenamtliches Engagement können dabei neue Perspektiven eröffnen.
Gleichzeitig gilt es, persönliche Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren.
3. Selbstheilungskräfte präventiv stärken
Perspektive energetischer Heilmethoden
Der dritte Blickwinkel beschäftigt sich mit der Frage, wie die eigenen Selbstheilungskräfte präventiv unterstützt werden können.
Angela Schwörer nennt hierbei unter anderem Rückenmassagen sowie energetische Methoden wie Therapeutic Touch und Qigong.
Dabei steht jedoch nicht nur eine einzelne Methode im Mittelpunkt.
Vielmehr wird ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren beschrieben:
- ausreichend schlafen
- ausgewogen essen
- sich regelmäßig bewegen
- die Muskelkraft erhalten
- die Gelenke pflegen
- bewusste Pausen einlegen
- Zeit in der Natur verbringen
- Musik hören
- Dinge tun, die Freude bereiten
- wohltuende Berührungen genießen
Die Grundidee lautet, den Organismus nicht erst dann zu unterstützen, wenn eine Erkrankung auftritt, sondern schon vorher bewusst Bedingungen zu schaffen, die Erholung und Wohlbefinden fördern.
Energetische Heilmethoden können dabei als ergänzende Ansätze verstanden werden. Sie ersetzen keine notwendige medizinische Behandlung.
4. Im Krankheitsfall: Ressourcen erkennen und Hilfe annehmen
Perspektive ressourcenorientierter Konzepte
Der vierte Abschnitt wechselt die Perspektive.
Was passiert, wenn eine Erkrankung bereits vorhanden ist oder dauerhafte Einschränkungen entstanden sind?
Dann steht nicht mehr allein die Vermeidung von Krankheit im Mittelpunkt, sondern der Umgang mit der neuen Situation.
Der Körper braucht Zeit zur Heilung. Gleichzeitig kann es notwendig werden, Unterstützung anzunehmen und Dinge zu akzeptieren, die sich nicht verändern lassen.
Die eigenen Ressourcen wiederentdecken
Ressourcenorientierte Ansätze richten den Blick bewusst auf Fähigkeiten, Erfahrungen und Bewältigungsstrategien, die bereits vorhanden sind.
Eine hilfreiche Frage kann deshalb sein:
Wie habe ich in der Vergangenheit schwierige Situationen, Belastungen oder Erkrankungen bewältigt?
Die Antwort kann Hinweise darauf geben, welche persönlichen Ressourcen heute erneut helfen können.
Zuversicht, Spiritualität und Sinn
Auch Achtsamkeit und Spiritualität können für manche Menschen Ressourcen darstellen.
Dabei geht es um die individuelle Frage:
Was tut meiner Seele gut?
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Erleben von Sinnhaftigkeit.
Wo liegen trotz einer Erkrankung oder Einschränkung weiterhin die eigenen Fähigkeiten?
Wo kann ich einen Beitrag leisten?
Was möchte ich noch lernen?
Wo möchte ich mich weiterentwickeln?
Und möglicherweise auch:
Was brauche ich, um mein Leben irgendwann gut abschließen zu können?
Gerade dieser ressourcenorientierte Ansatz verändert den Blickwinkel: Nicht ausschließlich die Einschränkung steht im Vordergrund, sondern der Mensch mit seinen weiterhin vorhandenen Fähigkeiten, Erfahrungen und Möglichkeiten.
5. Tipps aus ayurvedischer Sicht
Kein Anspruch auf Vollständigkeit
Auch die ayurvedische Medizin betrachtet Gesundheit ganzheitlich.
Im Vortrag greift Angela Schwörer insbesondere zwei Bereiche heraus: die Herzgesundheit und die Verdauung.
Herzgesundheit
Aus ayurvedischer Perspektive werden dabei nicht nur körperliche Faktoren betrachtet.
Mitgefühl mit sich selbst und anderen, anderen Menschen Freude zu schenken und sinnstiftende Tätigkeiten auszuüben, werden als positive Faktoren hervorgehoben.
Ein Ehrenamt kann beispielsweise die Möglichkeit schaffen, sich als selbstwirksam und gebraucht zu erleben.
Auch bei Erkrankungen oder körperlichen Einschränkungen können Neugier und Dankbarkeit wichtige persönliche Ressourcen sein.
Verdauung
Zur Unterstützung der Verdauung nennt der Vortrag unter anderem:
- blähende Speisen reduzieren
- kohlensäurehaltige Getränke meiden
- eine eher basisch orientierte Ernährung
Auch zeitlich begrenzte Fastenphasen im Frühjahr oder Herbst werden aus ayurvedischer Sicht angesprochen.
Gerade bei Fastenkuren oder größeren Ernährungsumstellungen sollte jedoch individuell geprüft werden, ob diese gesundheitlich geeignet sind – insbesondere bei bestehenden Erkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme.
6. Weiterführende Tipps aus Sicht der TCM
Kein Anspruch auf Vollständigkeit
Zum Abschluss kehrt der Vortrag noch einmal zur Traditionellen Chinesischen Medizin zurück.
Dabei werden insbesondere die sogenannte Nierenenergie und die Lunge betrachtet.
Nierenenergie stärken
Als unterstützende Maßnahmen werden ausreichendes Trinken und das Warmhalten des unteren Rückens genannt.
Die Lunge unterstützen
Zur Stärkung der Lunge empfiehlt die im Vortrag dargestellte TCM-Perspektive Bewegung an der frischen Luft.
Zusätzlich werden kalte Getränke sowie sportliche Belastungen bei extremer Kälte kritisch betrachtet.
Unterschiedliche Perspektiven – ein gemeinsames Ziel
Die sechs Blickwinkel des Vortrags unterscheiden sich teilweise deutlich in ihren theoretischen Grundlagen.
TCM und Body-Mind-Medizin betonen einen ausgewogenen Lebensstil.
Die homöopathische Perspektive richtet den Blick auf den bewussten Umgang mit der eigenen Lebenskraft.
Energetische Heilmethoden beschäftigen sich mit der Unterstützung der Selbstheilungskräfte.
Ressourcenorientierte Konzepte fragen danach, welche Fähigkeiten und Bewältigungsstrategien einem Menschen auch in schwierigen Lebenssituationen zur Verfügung stehen.
Ayurveda betrachtet unter anderem Ernährung, Verdauung, Lebensweise und emotionale Aspekte.
Und die TCM ergänzt diese Betrachtung um weitere traditionelle Konzepte zur Unterstützung des körperlichen Gleichgewichts.
Trotz der unterschiedlichen Ansätze zieht sich eine gemeinsame Botschaft durch den gesamten Vortrag:
Gesund älter zu werden bedeutet auch, die eigenen Kräfte bewusster wahrzunehmen, Grenzen anzuerkennen und Körper, Geist und persönliche Bedürfnisse nicht getrennt voneinander zu betrachten.
Dabei muss nicht jeder Ansatz für jeden Menschen gleichermaßen passend sein.
Entscheidend ist vielmehr, herauszufinden, was individuell unterstützt, was guttut und was dabei hilft, auch im fortgeschrittenen Alter möglichst viel Wohlbefinden, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu bewahren.
Grundlage dieses Beitrags ist die Zusammenfassung des Vortrags von Angela Schwörer „Gesundheit, Beweglichkeit und Wohlfühlen – Stressreduktion in fortschreitendem Alter“ vom 19. August 2026 in der Martin-Luther-Kirche.

